Podcast Nachbearbeitung – Was nach der Aufnahme passiert

Vorbereiten – aufnehmen – fertig. Auf den ersten Blick wirkt es so einfach. Doch jeder Podcaster merkt schnell, dass hier ein wichtiger Punkt fehlt: die Nachbearbeitung, auch Post-Produktion genannt. Übergeordnetes Ziel hierbei ist es, aus den erzeugten Audio-Files das Beste herauszuholen, um so den Hörern ein angenehmes Hörerlebnis zu bescheren. Hierfür gibt es viele Tools, Anbieter und Tricks. Doch fangen wir vorne an.

Warum die Podcast Nachbearbeitung so wichtig ist

Du wirst es sicherlich kennen: Manchen Menschen hört man einfach gerne zu, während es bei anderen einfach nur anstrengend oder sogar einschläfernd ist. Natürlich gibt es viele Faktoren, die das Hörerlebnis beeinflussen und ein Podcast stellt dabei keine Ausnahme dar. Daher ist das oberste Ziel jedes Podcasters neben der Schaffung von Mehrwert-Content, ein angenehmes, auditives Erlebnis für den Hörer zu erschaffen. Denn wenn das Zuhören Spaß macht, nehmen Deine Hörer nicht nur mehr von dem Inhalt wahr, sie abonnieren dich im besten Fall und empfehlen deinen Podcast sogar weiter.

Die folgenden Punkte gelten daher als Standard für eine qualitativ hochwertige Podcast-Folge:

  • kurze Redepausen
  • stimmige Intromusik
  • zielführendes Outro, ebenfalls mit Musik
  • gleichbleibende Lautstärke
  • fehlende Hintergrundgeräusche
  • wenige bis keine Atem- oder Schluckgeräusche

Was umfasst die Podcast Nachbearbeitung?

Wenn Du Deine ersten Folgen bereits aufgenommen hast, wirst Du sicherlich festgestellt haben, dass es gar nicht so einfach ist, all diese Punkte direkt zu berücksichtigen. Hier mal den Text kurz vergessen. Im nächsten Moment klingelt der DHL Bote an der Tür. Oder der Nachbar startet gerade seinen Rasenmäher. Solche Situationen kennt wohl jeder Podcaster. Damit deine Hörer von derartigen Schönheitsmakeln jedoch nichts mitbekommen, ist die Bearbeitung deiner Aufzeichnung im Nachgang sehr wichtig. Generell umfasst die Nachbearbeitung vier Bereiche:

Schnitt

Es ist wirklich bemerkenswert, wie viele Dinge du aus einer Episode einfach herausschneiden kannst, ohne dass man diesen Eingriff dem Endergebnis anmerkt. Die Geräusche, die meistens dem digitalen Skalpell zum Opfer fallen, sind

  • störende Umgebungsgeräusche
  • zu lautes Husten, Räuspern, Atmen
  • zu häufige Füllwörter wie “Ähm”
  • zu häufige Versprecher
  • allzu lange Redepausen

Selbst wenn Du oder Dein Interviewgast einmal komplett den Faden verlieren sollten, kannst du einfach einmal durchatmen und die Passage von vorn beginnen, ohne die Aufnahme unterbrechen zu müssen. Das nimmt gewaltig den Druck heraus, gleich alles perfekt abliefern zu müssen, sobald der rote Aufnahmepunkt leuchtet.

Bei all der Schnitt-Euphorie bedenke jedoch folgenden Aspekt: Kleine Versprecher und gelegentliche Füllwörter machen den Sprecher auch authentisch. Entscheidest Du Dich dafür, wirklich alles herauszuschneiden, kann es passieren, dass dein Podcast am Ende steril klingt. Es ist also eine Gratwanderung, wie viel Perfektionismus angebracht ist.

Eine bewährte Orientierungshilfe hierbei sind immer die Fragen, für welche Zielgruppe du welchen Mehrwert liefern möchtest und natürlich, was Du selbst von einem derartigen Podcast erwartest.

Qualitätsverbesserung

Dass eine gesteigerte Qualität immer gut ist, sollte einleuchtend sein. Aber was konkret bedeutet dies im Zusammenhang beim Podcasting?

Ein wesentlicher Bestandteil ist hierbei die Rauschreduzierung. Viele, hauptsächlich preiswerte Mikrofone, erzeugen oft ein Hintergrundrauschen, welches jedoch sehr einfach herausgefiltert werden kann. Auch andere Störgeräusche wie Knacken oder Knistern kannst du automatisiert entfernen.

Die Anpassung der Klangfarbe und Tonlage einer Stimme kannst du dazu nutzen, um sie wärmer und so sympathischer zu machen. Außerdem hat bei Interviews die Stimme deines Gesprächspartners oft eine unterschiedliche Lautstärke als deine eigene, was du ebenfalls anpassen kannst.

Ein weiteres, häufiges Phänomen ist, dass aufgrund der Aufregung vor allem am Anfang einer Episode schneller gesprochen wird als am Ende. Auch dies kannst du je Stimme separat anpassen.

Natürlich erfordert sowohl das Schneiden als auch die Qualitätsverbesserung eine gewisse Übung, doch bereits nach kurzer Zeit wirst du hier deutliche Fortschritte erkennen.

Intro, Outro und Werbung ergänzen

Ein weiterer Aspekt der Nachbearbeitung besteht in der Ergänzung verschiedener Teile, um deine Folge abzurunden. Ein Intro mit einprägsamer Musik und einigen einleitenden Sätzen gehört zum Standard und muss nicht für jede Folge neu aufgenommen werden. Auch das Outro, in dem Du unter anderem auf weitere Folgen, die Shownotes oder deine Social Media Kanäle hinweist, kannst Du ganz einfach im Nachgang ergänzen.

Das Thema Werbung wird für Podcaster immer wichtiger. Diverse Studien kommen zu dem Ergebnis, dass fast alle Podcast-Hörer Werbung in diesem kostenlosen Medium akzeptieren und deutlich öfter aktiv werden, als bei herkömmlicher Radio- oder Fernsehwerbung. Zum Thema passende Werbe-Passagen ergeben also durchaus Sinn und können sowohl zu Beginn als auch während des Podcasts im Zuge der Nachbearbeitung ergänzt werden.

Formatanpassung

In der Regel werden Podcast-Folgen als WAV-Datei aufgezeichnet und bearbeitet. Da diese Dateiform jedoch sehr groß ist, sollte sie im Anschluss in eine MP3-Datei umgewandelt werden. So kannst Du sie leichter bei deinem Hoster hochladen, aber vor allem können deine Hörer sie leichter downloaden. Die später beschriebenen Programme und Dienstleister bieten alle die Möglichkeit an, das Format deiner Audiodateien ganz einfach zu ändern.

Wie Du also siehst, gibt es nach der Aufnahme noch einige Dinge zu erledigen.

Podcast Post-Produktion – selbst machen oder Dienstleister beauftragen

Bei so gut wie jedem Projekt kommt man irgendwann an einen Punkt an dem man sich fragt: Muss ich das eigentlich alles selbst erledigen?

Das Podcasting stellt dabei keine Ausnahme dar. Oft bemerkt man sogar erst mitten im Prozess, dass das ganze Projekt mehr Arbeit erfordert, als ursprünglich gedacht.

Je nach Länge und Rechercheaufwand deiner Folgen, kommen pro Episode schnell drei bis fünf Stunden Aufwand zusammen.

Das Gute ist, dass es vor allem für die Podcast-Nachbearbeitung sowohl einige  hervorragende Programme zum selbst machen gibt, als auch viele Dienstleister, die Dir dabei gerne unter die Arme greifen.

Die jeweiligen Vor- und Nachteile liegen auf der Hand:

Zum einen steht natürlich die Frage, was du lieber investieren möchtest: Zeit oder Geld? Die Nachbearbeitung alleine dauert oft zwischen ein und drei Stunden je nachdem, wie geübt du bist. Dienstleister erledigen dies oft für einen Pauschalpreis zwischen 50 und 100 €.

Zum anderen musst du dir darüber klar werden, wie viel du abgeben möchtest. Immerhin kann der Stil des Podcasts durch den Schnitt maßgeblich verändert werden.

Im Folgenden findest du eine Übersicht der gängigsten Programme zum “selbst Hand anlegen”, um Dir die Entscheidung ein wenig leichter zu machen.

Podcast schneiden und verbessern – Welche Software ist die richtige

Audacity

Dies ist die von Windows-Nutzern am häufigsten verwendete Software, eine Version für iOS gibt es jedoch auch. Mit Audacity ist es nicht nur sehr leicht, Deine Aufnahmen zurechtzuschneiden, du kannst auch sehr einfach die Lautstärken verschiedener Tonspuren anpassen und sie mit Effekten belegen. Außerdem kann das Programm mit einem Knopfdruck Rauschen reduzieren und die Klangqualität erhöhen. Auch wenn die Benutzeroberfläche von Audacity auf den ersten Blick ein wenig alt und unsortiert erscheint, so liefert dieses kostenlose Programm doch viel mehr, als man von einer Freeware erwarten würde. Somit ist es sowohl für Anfänger als auch für Fortgeschrittene perfekt dazu geeignet, die eigenen Podcast-Folgen zu optimieren.

GarageBand

Mit der Software aus dem Hause Apple kannst Du direkt von Deinem iPhone oder Mac aus Deine Podcastfolge aufnehmen und danach gleich bearbeiten. GarageBand liefert dabei ebenfalls die Möglichkeit, die Datei zu schneiden und die Qualität zu verbessern. Zusätzlich können sogenannte GarageBand Apple Loops direkt eingebaut und zum Beispiel als Hintergrundmusik verwendet werden. Generell kommt die Freeware mit einer schickeren Benutzeroberfläche daher und bietet ebenfalls alles, was sich Anfänger aber auch viele Fortgeschrittene von einer Bearbeitungs-Software wünschen.

Adobe Audition CC

Auch Adobe Systems bietet eine Software für die Post-Produktion von Podcasts an. Die professionelle Audioeditor-Software glänzt durch noch umfangreichere Möglichkeiten in den Bereichen Audio-Editing, Klang- bzw. Qualitätsverbesserung und Frequenz-Spektralanalyse im Vergleich zu den kostenlosen Möglichkeiten. Zudem können auch Videos importiert werden. Audition CC ist für ca. 23 € pro Monat zu haben.

Aufgrund der wirklich sehr guten, kostenlosen Programme versuchen sich die meisten Podcast-Neulinge erst einmal selbst an der Nachbearbeitung. Wer dann jedoch merkt, dass er doch lieber einen erfahrenen Dienstleister mit ins Boot holen möchte, der wendet sich meistens an einen der folgenden Profis.

Auphonic und andere Anbieter für die Podcast-Nachbearbeitung

Auphonic

Einer der beliebtesten und besten Anbieter für die Podcast Nachbearbeitung ist Auphonic. Dieser Service macht es für dich ganz leicht, die qualitativ hochwertigste Version aus deinen Audiodateien herauszubekommen. Dazu entfernt der kostenpflichtige Dienst störende Geräusche, filtert Rauschen heraus und passt die Lautstärken der Stimmen an. Es können sogar Transkripte erstellt werden, welche für deine effiziente Content-Nutzung und SEO-Wirksamkeit extrem wichtig sind. Anschließend wird die optimierte Audiodatei entweder direkt auf Deinen FTP Server, Libsyn, Soundcloud, Youtube oder weiteren Anbietern hochgeladen. Natürlich kannst Du die Aufnahme auch in Deiner eigenen Cloud speichern, selbst manuell hochladen oder noch weiter nachbearbeiten.

Beachte jedoch, dass Du mit Auphonic nicht schneiden kannst.

Mit dem “XS-Zugang” können zwei Stunden Audio pro Monat kostenlos bearbeitet werden. Darüber hinaus gibt es Pakete für jeden Geldbeutel: Je nach Umfang liegt der Preis zwischen 9 € und 69 € pro Monat.

Full-Service-Dienstleister

Falls Du nicht nur die Audioqualität verbessern, sondern auch das Schneiden der Aufnahme delegieren möchtest, kannst Du Dir einen der zahlreichen Freelancer oder Podcast-Agenturen aussuchen. Mit Ihnen kannst Du genau festlegen, was Du von Deiner perfekten Podcast Episode erwartest. Was jedoch in dem jeweiligen Angebot enthalten ist, variiert sehr stark. Die üblichsten Dienstleistungen auf einen Blick:

  • Recherche von Inhalten
  • Einsprechen der Folgen teils sogar mit professionellen Sprechern im Tonstudio
  • Schneiden der Podcast-Episode
  • Qualitätsverbesserung
  • Ergänzung von Intro, Outro und Werbung
  • Upload beim Hoster und der eigenen Website
  • Transkription
  • Erstellung der Shownotes
  • Social Media Marketing

Bei dieser umfangreichen Dienstleistungspalette variieren natürlich auch die Preise entsprechend: 20 € bis weit über 200 € pro Stunde sind hier möglich. Die Frage der Stunde lautet: Was willst Du?

Vor allem wenn Dein Podcast nicht nur ein Projekt von vielen ist, lohnt es sich allein aus Skalierungs-Gründen, dir darüber ganz klar zu werden und ein wenig Geld in die Hand zu nehmen. So hast du am Ende nämlich einen Podcast mit maximalem Mehrwert und minimalem Zeitaufwand.

Was bei der Podcast Nachbearbeitung zu beachten ist

Egal ob du es selbst machst oder auslagerst, am effizientesten ist es natürlich, wenn du so wenig wie möglich nacharbeiten musst. Die folgenden Punkte sollen dir als Checkliste dienen, damit du so effizient wie möglich vorgehen kannst.

Mit welchen Tricks du die Nachbearbeitung verkürzen kannst

Equipment

Dein wichtigster Ausrüstungsgegenstand ist natürlich das Mikrofon. Doch benötigst du ein Nierenmikrofon oder genügt ein einfaches Ansteckmikro? Was ist am besten für Interviews geeignet? Und bitte was ist ein Popschutz? Wie du siehst, gibt es in diesem Bereich einiges zu klären, doch es lohnt sich definitiv herauszufinden, welches für dich das beste Mikrofon ist. An dieser Stelle sei jedoch so viel gesagt: Qualität zahlt sich in der Regel aus. Und das Handymikrofon wird dir auf Dauer mehr Arbeit bescheren als Du an Geld einsparst. Insgesamt sorgst Du so bereits bei der Aufzeichnung für eine hohe Klangqualität und sparst dir Arbeit bei der Nachbearbeitung.

Sei vorbereitet!

Durch eine entsprechende Vorbereitung wird ebenfalls dein Nachbearbeitungs-Aufwand verringert. Zur Vorbereitung zählt also ganz klar die Anfertigung eines Skriptes, das du am besten auch direkt deinem Gesprächspartner zukommen lässt.

Vor allem für Neulinge ist es hilfreich, eine “Trockenübung” einzulegen, also ein- oder mehrmals deinen Text für dich selbst zu üben. So vermeidest du von vornherein Passagen, die später aus der Aufzeichnung herausgeschnitten werden müssen.

Aufnahmeumgebung

Dass während der Aufnahme nicht gerade dein Handy klingeln sollte ist sicher klar. Aber was machst du zum Beispiel, wenn du nicht gerade stolzer Besitzer eines Tonstudios bist und es in deinem Raum hallt? Dies kann öfters in größeren Räumen oder Altbauwohnungen passieren, ist aber kein Grund zu verzweifeln. Der wahrscheinlich einfachste Trick: Nutze deine Kleider als Schallschutz. Du kannst dich also entweder in deinen Kleiderschrank setzen, oder du stellst eine Kleiderstange vor und hinter dich, um den Schall zu dämmen.

Auch durch die Wahl der richtigen, ruhigen Umgebung kannst du also wertvolle Zeit einsparen, welche du sonst im Nachgang zur Korrektur aufwenden müsstest.

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