Podcast aufnehmen – Tipps und Tricks für Einsteiger

Der Podcast ist aktuell das Medium schlechthin, um targetiert Inhalte zu entsprechenden Themen zu veröffentlichen. Der Grund? Durch kein anderes Medium ist es so leicht möglich, Inhalte mit der nötigen Prise Persönlichkeit zu versehen und dadurch Vertrauen aufzubauen.

Was ist ein Podcast?

Der Begriff Podcast setzt sich aus dem englischen Wort Broadcast (Sendung, Rundfunk) und dem Ipod (stellvertretend für den MP3-Player) zusammen und beschreibt eine Serie aus Episoden, die sich hauptsächlich in einem Audioformat, aber teilweise auch als Videoformat etabliert haben. Dabei widmet sich jeder Podcast einem bestimmten Thema, welches in den einzelnen Folgen entweder weiter ausgebaut oder von immer neuen Perspektiven beleuchtet wird.

Du kannst Podcasts über einen sogenannten Podcatcher wie z.B. Itunes, gPodder oder Miro abonnieren und herunterladen. Wird eine neue Folge veröffentlicht, so wird der Hörer über einen RSS-Feed („Really Simple Syndication-Feed“) darüber informiert und muss nicht erst jeden Beitrag auf der Webseite aufrufen.

Für den Hörer liegen die Vorteile eines Podcasts darin, dass er kostenlos zu konsumieren ist, keine festen Sendezeiten hat und somit selbstbestimmt und unabhängig gehört werden kann. Daher lieben schon heute Millionen von Fans dieses relativ neue Medium, da sie so Ihre Zeit auf dem Weg zur Arbeit, während der Hausarbeit oder im Wartezimmer einfach sinnvoll nutzen können.

Die Art des Podcasts beeinflusst die Podcast Aufnahme

Im Podcasting haben sich hauptsächlich drei verschiedene Arten etabliert:

reine Soloformate
Interviewfolgen
Mix aus beiden Formen

Je nach Aufnahme-Form, gehen damit unterschiedliche Herausforderungen einher:

  1. Erstellst du eine Solofolge, bietet dies auf rein inhaltlicher Basis den größten Aufwand, der im Vorfeld zu betreiben ist. Da ein Podcast von der Konstanz lebt, ist hier eine gute Expertise sowie Portionierung der Inhalte wichtig. Auf der anderen Seite profitierst du hierbei von deiner Unabhängigkeit und eigenen Flexibilität.
  2. Erstellst du eine Interviewfolge, liegen die Vorteile ganz klar in einem inhaltlich geringeren Aufwand, da der Interviewpartner die Expertise mitbringt. Ein weiterer Vorteil sind die Beziehungen, welche du so aufbauen kannst und die dein Netzwerk ergänzen. Des Weiteren kannst du von der Reichweite des Gastes direkt profitieren. Der Nachteil liegt darin, einen passenden Gast überhaupt erst einmal zu finden und diesen in die eigene Show einzuladen. Wer ein Interview aufnimmt, sollte unbedingt darauf achten, dass mehrere Spuren aufgenommen werden, ansonsten kann es schnell passieren, dass die Lautstärken der Sprecher unterschiedlich sind und dies nicht in der Nachbearbeitung korrigiert werden kann.
  3. Wählst du einen Mix aus beidem, besteht die Herausforderung darin, die Balance zwischen deinem Expertenstatus und dem deines Gastes zu finden. Außerdem solltest du v.a. hierbei auf einen roten Faden achten, der beide Teile sinnvoll miteinander verknüpft.

Die unterschiedlichen Formate beeinflussen die Aufnahme nicht nur auf inhaltlicher Ebene, sondern auch was das generelle Equipment angeht. Während Solofolgen am besten mit Richtmikrofonen aufgenommen werden, ist für Interviews vor Ort ein Kondensatormikrofon die bessere Wahl.

Was vor der ersten Podcast Aufnahme nötig ist

Ganz zu Beginn musst du natürlich ein Konzept für deinen Podcast erstellen und die wichtigste Frage von allen klären: Warum? Warum möchtest du überhaupt einen Podcast machen, was ist dein Ziel damit? Nimm dir am besten einmal eine Stunde Zeit und schreibe es auf.

Anschließend ist es wichtig, einen sogenannten Hörer-Avatar zu erstellen. Dies bedeutet, du versucht die Gesamtheit deiner Zielgruppe als eine fiktive Durchschnitts-Person zu skizzieren. Nur wenn du dir darüber im Klaren bist, wen du erreichen möchtest, kannst du deinen Podcast anschließend zielgerichtet gestalten und vermarkten. Weiterführende Fragen in diesem Prozess sind:

  • Warum sollte diese Zielgruppe deinen Podcast hören?
  • Welchen Mehrwert lieferst du ihnen?
  • Welches ihrer Probleme löst du?
  • Wie erreichst du sie am besten?

Auf dieser Grundlage kannst du nun nach einem passenden Namen suchen und das Designs entsprechend gestalten. Auch die Frage nach dem Format und wie oft du neue Episoden produzieren möchtest, ist nun zu klären.

Womit den Podcast aufnehmen?

Um einen Podcast aufzunehmen, muss nicht gleich ein ganzes Studio her.

Das wichtigste Equipment für die Podcast Aufnahme

  • Mikrofon
  • Popschutz für das Mikrofon
  • Editiersoftware (z.B. Audacity, Garage Band (Mac), Adobe Audition)
  • Post Production Tool zum schneiden und taggen (z.B. Auphonic)
  • Interview Tools (z.B. ecamm (Mac), Skype, Zoom, Pamela (Windows))
  • Podcast Hoster (z.B. Libsyn, Podcaster.de)

Podcast online oder offline aufnehmen

Der Hauptvorteil der Online-Aufnahme liegt darin, dass zunächst kein externes technisches Interface nötig ist, um eine Folge zu produzieren. Im Internet finden sich viele Tools wie Skype oder Zoom, mit welchen du qualitativ hochwertige Gesprächs-Aufzeichnungen erstellen kannst. Ein weiterer riesen Vorteil ist natürlich, dass du Gesprächspartner auf der ganzen Welt interviewen kannst und so deinem Podcast die nötige Bandbreite verpasst. Die Nachteile bestehen darin, dass ein Internetzugang immer Voraussetzung ist, Verbindungsprobleme entstehen können und du deinen Interviewgast nicht persönlich siehst.

Anders sieht das aus, wenn du deinen Gast einladen oder besuchen kannst und die Aufzeichnung offline durchführst. Bei einem persönlichen Gespräch vor Ort ist es natürlich viel einfacher, auf die Körpersprache deines Gastes einzugehen. Außerdem kannst du das Interview gleich filmen, deinen Content auch auf Youtube hochladen und so effizienter verwenden.

Podcasting – Smartphone vs. Studio

Ein Studio ist natürlich für ein qualitativ hochwertiges Endergebnis die beste Empfehlung. Allerdings ist sowohl eine Studionutzung als auch das Einrichten eines eigenen Home-Studios mit einigen Kosten verbunden.

Auf der anderen Seite genügt prinzipiell auch dein Smartphone, um eine Podcastfolge aufzunehmen. Apps wie anchor.fm haben sich zum Ziel gesetzt, die Aufnahmen so einfach und hochwertig wie möglich zu gestalten. Allerdings sollte hierbei das Mikro des Headsets verwendet werden, um eine bessere Tonqualität zu erzeugen.

Die Variante jedoch, die sowohl qualitativ als auch preislich am sinnvollsten ist, besteht im Kauf eines passenden Podcast-Mikrofons.

Wie nehme ich einen Podcast richtig auf?

Es ist faszinierend, wie oft folgendes passiert: Im einen Moment ist man entspannt, hat einen Plan und ist ganz klar im Kopf. Doch sobald man das erste mal auf den Aufnahme-Button drückt und der rote Punkt leuchtet, kommt die Aufregung, man beginnt zu stottern und vergisst teilweise komplett, was man sagen wollte. Um diese Reaktion so gut es geht zu vermeiden lohnt es sich, auf einige Dinge zu achten.

Das absolute A und O für qualitativ hochwertige Aufnahmen ist deine Ausrüstung.

Unmittelbar vor der Aufnahme solltest du dein Equipment checken, denn Rauschen oder Brummen können zum Beispiel auch durch Wackelkontakte bei den Anschlüssen entstehen. Zu deiner Ausrüstung zählt übrigens auch deine Stimme. Kurz vor der Aufnahme daher am besten noch ein Glas Wasser trinken, um die Stimme schön geschmeidig zu machen und schon kann es losgehen. Bei der Aufnahme selbst ist es wichtig, einen möglichst gleichbleibenden Abstand zum Mikrofon einzuhalten, um Lautstärkeunterschiede von vornherein zu vermeiden.

Nur durch eine entsprechende Vorbereitung erhälst du eine stimmige Podcastfolge mit Mehrwert und rotem Faden. Die Anfertigung eines Skriptes ist also immer von Vorteil. Damit auch dein Gesprächspartner weiß, in welche Richtung die Episode gehen soll, benötigt auch er es im Vorfeld. Bitte ihn, sich auf die Fragen vorzubereiten und bei Unklarheiten oder Anregungen auf dich zuzukommen. Wenn du das Skript selbst ein-, zweimal übst, bist du am Aufnahmetag bestens vorbereitet.

Die Stimme macht’s – Was Podcast-Hörer hören wollen

Der Leitsatz hierbei ist: Wer einen Podcast aufnimmt, sollte auf seine Stimme und den Sprachstil achten! Denn diese beiden Dinge sind maßgeblich für ein angenehmes Hörerlebnis verantwortlich.

Die eigene Stimme kann durch viele Übungen wie Atem- und Zwerchfellübungen trainiert werden. Ein stimmliches Warm-Up ist sehr zu empfehlen, da die Stimme über die gesamte Folge beansprucht wird und damit auch langfristig die Stimmbänder geschont werden.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Klangfarbe. Jeder Mensch hat zwar seine eigene charakteristische Stimme und Tonhöhe, an beidem kann jedoch auch gearbeitet werden.

Betonung und Geschwindigkeit

Ein Satz verändert sich durch die Betonung im Sinn. Dies kannst du für dich nutzen und bestimmte Dinge durch klares, langsames auf „Punkt-Sprechen“ unterstreichen.

Generell wichtig bei einem Podcast ist, dass klar, deutlich und langsam gesprochen. Nimm dir den Sprechraum, den du benötigst, um eine angenehme Präsenz zu transportieren. Sind Stimme und Atem langsam und ruhig, so wirkt der Sprecher weniger nervös und kompetenter.

Sprachstil

Zu Beginn ist es ganz normal, dass öfters Füllwörter wie „Ähm“ fallen. Diese können immer herausgeschnitten werden und außerdem wird sich dein Sprachstil sehr schnell entwickeln. Durch Interviews geht es besonders schnell, da es den meisten Menschen im Dialog einfacher fällt, frei zu sprechen. Ein genereller Tipp ist, dir nur Stichpunkte als Skript zu notieren anstelle ganzer Sätze. In der Regel hört man es, wenn abgelesen wird. Stichpunkte geben dir außerdem den nötigen Spielraum zum Ausschmücken der Sätze und so beste Voraussetzungen für eine optimalen Entwicklung.

Achte auf deine Umgebung beim Podcasting

Sorge unbedingt für eine ruhige Umgebung. Das bedeutet nicht nur, das Handy auf stumm zu stellen und die Fenster zu schließen, sondern auch deinen Partner zu bitten, sich ruhig zu verhalten. Die generelle Wahl des Raumes ist natürlich ebenfalls wichtig. Am besten eignet sich eine Umgebung, die möglichst schalldicht ist. Ein Studio oder eine Podcaster Kabine bieten dabei optimale Bedingungen. Aber auch bei einer Aufnahme in den eigenen vier Wänden kann ein gutes Ergebnis erzielt werden. Hierbei solltest du darauf achten, dass möglichst viele Möbel, Teppiche und Vorhänge im Raum sind. Denn vor allem in größeren Räumen oder Altbauwohnungen kann leicht ein Hall entstehen, wenn es  zu leer ist. Prüfe im Vorfeld also am besten durch eine Probe-Aufnahme, ob der Raum für deine Podcast-Aufzeichnung geeignet ist.

Kannst du durch eine gewisse, charakteristische Geräuschkulisse deiner Aufnahme “das gewisse Etwas” geben, so kannst du diese natürlich mit einfangen.

Was tun, wenn du noch keine Podcast Ausrüstung hast?

Falls du nicht gleich zu Beginn die komplette Ausrüstung kaufen möchtest, gibt es gute Alternativen, um auch ohne Ausrüstung heute noch starten zu können.

Anstelle eines Mikrofons kann für den Einstieg auch ein Headset bestehend aus Kopfhörern und integriertem Mikro genutzt werden.

Die Aufnahme selbst kann über das eigene Smartphone erfolgen. Bei Interviewgästen, die nicht vor Ort sind, ist die Online-Aufnahme z.B. über Skype oder Zoom eine gute und kostenlose Möglichkeit. Hierbei ist wie oben bereits erwähnt darauf zu achten, dass das Programm mehrspurig aufnehmen kann. Mit Skype ist dies leider nicht möglich, aber mit Zoom erhälst du nach der Aufzeichnung unterschiedliche Dateien mit den einzelnen Tonspuren und eine mit der gemeinsamen Tonspur. Eine weitere Alternative dazu bietet die webbasierte Software Zencastr. Diese ist ideal für Einsteiger geeignet und darüber hinaus können auch Solofolgen damit aufgenommen werden.

Die gängigsten Softwares zum Editieren wie z.B. Audacity oder Garageband sind ebenfalls kostenfrei nutzbar. Auch die App anchor.fm ist kostenlos und wird gerne von Podcast-Einsteigern genutzt, die mit Smartphone-Aufnahmen beginnen möchten.

Ein RSS-Feed kann beispielsweise kostenfrei bei Easypodcast erstellt werden.

Für den Beginn ist es also nicht zwingend notwendig, sich Equipment oder kostenpflichtige professionelle Software anzuschaffen. Sobald du jedoch ein wenig professioneller werden möchtest, solltest du dir zumindest ein Mikrofon kaufen. Es gibt bereits sehr gute mit hervorragender Klangqualität für unter 200 Euro. In unserem Mikrofontest haben wir einmal genau geprüft, was sich lohnt und wie viel du wirklich ausgeben musst.

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