Wieviel würden Sie für einen Podcast bezahlen?

Was haben Blogs, Fernsehsender, Zeitungen und die Bundesregierung gemeinsam? Sie alle verwenden Podcasts, um ein Millionenpublikum zu informieren oder zu unterhalten. Spotify hat im Februar 230 Millionen Dollar für den Podcast-Produzenten Gimlet Media auf den Tisch gelegt und die Podcast-App Anchor übernommen. Die beiden Übernahmen könnten bedeuten, dass Sie sich in Zukunft öfter fragen müssen, wie viel Ihnen ein Podcast wert ist.

Eine rekordverdächtige Übernahme mit Potenzial

Mit dem Kauf von Gimlet Media durch Spotify sind zwei Rekorde gefallen. Der Kaufpreis von 230 Millionen Dollar bzw. umgerechnet 203 Millionen Euro stellt die größte Investition dar, die je von Spotify getätigt wurde. Gleichzeitig ist es der höchste Betrag, der bisher für einen Podcast-Anbieter bezahlt wurde. Mit dem Kaufpreis hat der schwedische Musikstreaming-Dienst den geschätzten Marktwert von Gimlet Media um das Dreifache übertroffen. Es ist bemerkenswert, dass Spotify damit ein Unternehmen besitzt, das selbst Content produziert. Über den Kaufpreis der Anchor-Übernahme sind bis heute keine Informationen an die Öffentlichkeit gelangt. Bekannt wurde hingegen, dass die beiden neuen Akquisitionen aus New York erst der Beginn sind. Der CEO von Spotify, Daniel Ek, ließ verlauten, dass 500 Millionen Dollar für eine Podcast-Offensive zur Verfügung stehen.

Gimlet Media – HBO für das Ohr

Beim New Yorker Podcast-Produzenten Gimlet arbeiten 120 Mitarbeiter an regelmäßig erscheinenden Podcasts. Shows wie “Reply All”, “Start Up” und “The Nod” sind bei iTunes, Spotify oder Soundcloud kostenlos verfügbar. Die Podcasts sind aufwendig gestaltet und finden Anklang beim interessierten Publikum. Einer der erfolgreichsten Podcasts ist das zwischen Oktober 2016 und August 2017 erschienene “Homecoming“. In 14 Episoden wird die Geschichte einer Sachbearbeiterin erzählt, die in einer Einrichtung arbeitet, in der traumatisierte Soldaten therapiert werden. Amazon hat die Filmrechte am Psychothriller erworben und die Serie mit Julia Roberts in der Hauptrolle verfilmt. “Homecoming” ist seit November 2018 in den USA und seit Februar 2019 in Deutschland auf Amazon Prime Video erfolgreich.

Anchor – Die beste Art, um Ihren Podcast zu erstellen

Laut Google ist Anchor eine der besten Apps des Jahres 2018 und bei iTunes hat die App 4,8 Sterne. Als Podcaster hat man Anchor schon seit einiger Zeit im Blickfeld, die App ausprobiert oder selbst schon einen Podcast erstellt. Von allen neuen Podcasts, die weltweit Tag für Tag erscheinen, laufen 40 Prozent über Anchor. Mit der kostenlosen App erledigt man alles an einem Ort: Podcast aufnehmen, bearbeiten, speichern, den Podcast veröffentlichen, ihn vermarkten und analysieren. Neue Funktionen könnten den Austausch mit den Zuhörern möglich machen und Podcasts automatisch in soziale Netzwerke integrieren.

Die Spotify-Strategie

Spotify kämpft mit einer wachsenden Konkurrenz. Amazon, Apple und Google haben ihre eigenen Musikstreaming-Dienste. Nun versucht Spotify offenbar, sich von der Musik unabhängiger zu machen und über neue Marktfelder Kunden zu gewinnen. Gute Podcasts könnten das Alleinstellungsmerkmal von Spotify werden. CEO Daniel Ek will Spotify als die Audio-Plattform schlechthin etablieren, eigene Inhalte sollen dabei helfen. Wenn es Spotify gelingt, Podcasts im großen Stil zu kommerzialisieren, werden auch kleinere Produzenten nachziehen. Das könnte das Ende von kostenfreien Podcasts bedeuten, aber auch eine Professionalisierung und attraktivere Inhalte. Der Podcast der Bundesregierung wird wahrscheinlich auch in Zukunft gratis sein.

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